Eine Buchvorstellung braucht mehr als eine gekürzte Inhaltsangabe. Ihr Publikum sollte verstehen, was geschieht, eine am Text belegte Deutung nachvollziehen und erfahren, warum Sie das Buch empfehlen würden. Mit sieben Folien lässt sich das erreichen, ohne Kapitel für Kapitel nachzuerzählen.

Das folgende Beispiel verwendet Lewis Carrolls Alice im Wunderland, im Original Alice’s Adventures in Wonderland. Eine Frage verbindet die Präsentation: Wann sollte Alice aufhören, die Regeln ihrer Umgebung einfach hinzunehmen? Für einen anderen Roman können Sie dieselbe Struktur nutzen, indem Sie passende Szenen auswählen und eine belegbare These entwickeln.

Wenn diese Szenen feststehen, können Ihnen Presentis Werkzeuge für Präsentationsentwürfe aus Unterrichtsnotizen helfen, aus Ihrer Gliederung Folien zu erstellen. Bereiten Sie zuerst die Inhalte zum Buch vor. Überarbeiten Sie anschließend den Entwurf so, dass Ihre eigene Lektüre und Argumentation erkennbar bleiben.

Ein aufgeschlagenes Buch führt zu sieben geordneten Folien; eine hervorgehobene Belegfolie verbindet eine Szene mit einer Deutung.

Legen Sie vor der Foliengestaltung eine Leitfrage fest

Beginnen Sie mit der Aufgabenstellung: Eine verlangte Biografie, ein Zitat, eine Wortschatzaufgabe oder ein Vergleich braucht weiterhin seinen Platz. Wählen Sie innerhalb dieser Vorgaben eine Frage, die sich in Ihrer Redezeit beantworten lässt. „Worum geht es in diesem Buch?“ ist ein Anfang. „Wie reagiert Alice, wenn die Regeln keinen Sinn mehr ergeben?“ bietet einen klareren roten Faden.

Halten Sie drei Arten von Notizen auseinander. Eine Handlungsangabe beschreibt, was passiert. Ein Textbeleg verweist auf eine bestimmte, auffindbare Stelle oder Einzelheit. Ihre Deutung erklärt, was diese Einzelheit nahelegt. Eine Kapitelnummer ist zunächst nur ein Verweis. Zeigen Sie auch, was in diesem Kapitel Ihre Aussage stützt.

Die Buchvorstellung auf sieben Folien aufbauen

Geben Sie jeder Folie eine Aufgabe. Die folgenden Formulierungen bilden ein Gerüst für die Folien. Die ausführliche Erklärung gehört vor allem in Ihren Vortrag und Ihre Sprechernotizen.

Folie 1: Buch und Leitfrage vorstellen

Nennen Sie den Buchtitel, den Autor, Ihren Namen und die Leitfrage. Im Beispiel stehen dort Alice im Wunderland, Lewis Carroll und „Wann sollte Alice die Regeln hinterfragen?“. Ein einfaches Bildmotiv zum Buch lässt der Frage mehr Raum als eine dicht gedrängte Sammlung von Figuren.

Führen Sie mündlich in das Problem ein: Alice betritt eine unbekannte Welt. Deren Regeln zu befolgen hilft ihr aber nicht immer, sie zu verstehen. Kündigen Sie an, ihre Reaktion anhand einiger Szenen zu verfolgen. So weiß die Klasse, worauf sie achten soll, statt sich jedes Ereignis merken zu müssen.

Folie 2: Nur die nötige Handlung zusammenfassen

Verwenden Sie drei kurze Stationen: Alice folgt dem Weißen Kaninchen in eine fremdartige Welt; ihre Begegnungen erschüttern vertraute Vorstellungen; eine Auseinandersetzung vor Gericht endet damit, dass sie aufwacht. Kapitel I enthält den Einstieg, Kapitel XII die abschließende Konfrontation und das Erwachen.

Für diese Argumentation reicht das als Orientierung. Verbinden Sie die Stationen im Vortrag, statt jedes Wesen aufzuzählen, dem Alice begegnet. Soll das Ende laut Aufgabenstellung nicht verraten werden, legen Sie einen früheren Endpunkt fest und wählen Sie andere Belege. Diese Fassung bespricht den Schluss, weil sie Alices frühe und späte Reaktionen vergleicht.

Folie 3: Eine Figur angesichts einer Schwierigkeit zeigen

Eine Figurenbeschreibung gewinnt an Aussagekraft, wenn eine Eigenschaft auf ein Problem trifft. „Neugierig, aber zunehmend verunsichert“ kann hier die Kernaussage sein. In Kapitel I zeigt sich Alices Neugier, als sie dem Kaninchen folgt. In Kapitel V fällt ihr nach den wiederholten Veränderungen ihrer Größe eine Antwort auf die Identitätsfrage der Raupe schwer.

Die Begegnung ist der Beleg. Eine mögliche Deutung lautet: Alice kann sich im Wunderland nicht auf ihr gewohntes Selbstbild verlassen. Erklären Sie diese Verbindung mündlich. Eine zusätzliche Liste mit Eigenschaften wie mutig, klug, freundlich und abenteuerlustig hilft wenig, wenn Sie diese im weiteren Vortrag nicht aufgreifen.

Folie 4: Aus einem Thema eine These entwickeln

„Regeln“ bezeichnet ein Thema. „Wer Regeln durchsetzt, macht sie dadurch noch nicht vernünftig“ ist eine These, über die sich sprechen lässt. Nutzen Sie diesen Satz oder eine kürzere Fassung als Hauptaussage der Themenfolie.

Stützen Sie ihn auf Kapitel VIII: Alice erlebt die Königin und die Spielkartenfiguren bei einem unfairen Krocketspiel. Fassen Sie die Szene knapp zusammen und erläutern Sie dann ihren Bezug zur Leitfrage. Ihre These könnte sein, dass Alice zunehmend selbst beurteilt, was geschieht, statt Autorität allein als Grund für Zustimmung zu akzeptieren. Stellen Sie das als Ihre Lesart dar, nicht als erklärte Absicht Carrolls.

Drei verbundene Ebenen trennen ein Ereignis der Geschichte, einen konkreten Kapitelbeleg und die Deutung dieses Belegs.
Eine Szene wird zum Beleg, wenn Sie erklären, wie sie Ihre These stützt.

Folie 5: Die stärksten Belege miteinander vergleichen

Vergleichen Sie zwei Momente in einer übersichtlichen Darstellung mit zwei Spalten. Links steht Kapitel I: Alice folgt dem Kaninchen ins Unbekannte. Rechts steht Kapitel XII: Sie widerspricht der Festlegung der Strafe vor dem Urteil, bezeichnet die versammelten Figuren als Spielkarten und wacht auf. Verwenden Sie kurze Paraphrasen mit Kapitelangaben statt langer Textblöcke.

Der Vergleich stützt eine mögliche Argumentation: Alice geht vom neugierigen Verfolgen des Unbekannten dazu über, Unvernünftiges infrage zu stellen. Erklären Sie diese Veränderung ihrer Reaktion; wiederholen Sie nicht nur beide Zusammenfassungen. Die Aussage hat auch eine Grenze: Die Szenen ermöglichen eine Deutung dieser Geschichte. Sie belegen nicht, dass Alice sich für den Rest ihres Lebens anders verhalten wird. Formulieren Sie nur so weit, wie die Belege tragen.

Folie 6: Eine begründete Empfehlung geben

Wechseln Sie von der Analyse zu Ihrer eigenen Reaktion. Eine Empfehlung könnte lauten: „Ich würde das Buch Menschen empfehlen, die ungewöhnliche Begegnungen und Rätsel über alltägliche Annahmen mögen.“ Die Begründung ergibt sich aus den bereits besprochenen Szenen und wirkt deshalb nicht nachträglich angehängt.

Nennen Sie auch einen hilfreichen Vorbehalt. Wer eine geradlinige Folge von Ursachen und Folgen bevorzugt, findet die wechselnden Situationen möglicherweise weniger befriedigend. Wenn das Ihrer Reaktion entspricht, erläutern Sie, welche Stelle dafür ausschlaggebend war. Ersetzen Sie eine nichtssagende Bewertung durch ein nutzbares Urteil: Welches Leseerlebnis bietet das Buch, und wem könnte es gefallen?

Folie 7: Die Leitfrage beantworten

Kehren Sie zur Frage der ersten Folie zurück. Ein knappes Fazit könnte sein: „Alice hat Grund, eine Regel zu hinterfragen, wenn sie Gehorsam verlangt, ohne sinnvoll zu sein.“ Verweisen Sie anschließend auf den Verlauf Ihrer Argumentation: Unsicherheit über sich selbst, ein unfaires Spiel und der Widerspruch vor Gericht.

Fügen Sie auf dieser Folie einen kurzen Quellenhinweis hinzu oder verwenden Sie die verlangte Zitierweise. Nennen Sie Carroll, das Buch und Ihre Ausgabe. Ergänzen Sie auf den Belegfolien die passenden Kapitel- oder Seitenangaben. Die Kapitel I, V, VIII und XII im englischen Originaltext von Alice’s Adventures in Wonderland enthalten die verwendeten Szenen; Seitenzahlen hängen von Ihrer Ausgabe ab. Beenden Sie Ihre Erklärung mit der Antwort auf die Leitfrage, bevor Sie Rückmeldungen aus der Klasse einladen.

Die Buchvorstellung auf fünf Minuten abstimmen

Für einen fünfminütigen Vortrag ergibt diese Einteilung vier Minuten und vierzig Sekunden Redezeit. Zwanzig Sekunden bleiben für Pausen und Folienwechsel. Das ist ein Ausgangspunkt fürs Üben, kein vorgeschriebenes Tempo.

FolieRedezeitHauptaufgabe
1. Buch und Leitfrage20 SekundenDie Richtung vorgeben
2. Handlung35 SekundenOrientierung geben
3. Figur40 SekundenDie Schwierigkeit erläutern
4. Thema45 SekundenEine These formulieren und belegen
5. Belegvergleich70 SekundenDie Szenen mit der Deutung verbinden
6. Empfehlung40 SekundenDie eigene Reaktion begründen
7. Schluss30 SekundenDie Leitfrage beantworten

Wenn Sie zu lange brauchen, kürzen Sie zunächst die Inhaltsangabe, nicht die Erklärung der Belege. Für eine dreiminütige Fassung lassen sich Figur und Thema auf einer Folie verbinden und anhand einer besonders aussagekräftigen Szene erläutern. Gehören Fragen zum Zeitlimit, planen Sie dafür gesondert Zeit ein. Üben Sie laut: Auch eine knapp wirkende Folie kann eine lange Erklärung auslösen.

Diese Gliederung in die Lesenotizen übernehmen

  1. Buch und Leitfrage: [Titel], [Autor] und die Frage, die mein Vortrag beantwortet.
  2. Handlung: Drei zusammenhängende Ereignisse, die das Publikum für meine Argumentation kennen muss.
  3. Figur: Eine Eigenschaft oder Schwierigkeit mit einer passenden Szene.
  4. Thema: Meine These, die stützende Szene und ihre Verbindung.
  5. Belege: Ein genauer untersuchtes Beispiel oder zwei Vergleichsmomente mit Kapitel- oder Seitenangaben.
  6. Empfehlung: Wem das Buch gefallen könnte, warum und mit welchem Vorbehalt.
  7. Schluss: Meine Antwort auf die Leitfrage und die verwendete Ausgabe.

Aus Lesenotizen Folien entwickeln

Halten Sie beim Vorbereiten des Folienentwurfs die Gliederungspunkte und ihre Belege zusammen. Für die Gerichtsfolie brauchen Ihre Notizen das Ereignis, die Kapitelangabe und Ihre Erklärung, wie die Szene die These stützt. Eine Überschrift wie „Thema“ allein gibt zu wenig Richtung vor.

Aus diesen vorbereiteten Notizen können Sie in Presenti einen Entwurf erstellen und anschließend Inhalt und Reihenfolge bearbeiten. Halten Sie die sichtbaren Folien knapp und die ausführlichen Erläuterungen in den Sprechernotizen fest. Prüfen Sie Formulierungen zum Buch an Ihrer eigenen Ausgabe, besonders wenn eine Paraphrase wie ein wörtliches Zitat wirken könnte.

Beim letzten Probedurchlauf sollte erkennbar sein, dass Sie eine Frage zu einem Buch beantworten. Die Handlung liefert den Zusammenhang, die Szenen die Belege und Ihre Erklärung die Aussage des Vortrags.